Düsseldorf Kunstpalast mal Grumpy

Als sweet 13 Teenie besuche ich den Kunstpalast Düsseldorf. Eigentlich tummeln sich mehr die orthopädischen Einlagenträger mit Bärenticket hier rum. 
Was mich hierhin verschlägt?

Als sweet 13 Teenie besuche ich den Kunstpalast Düsseldorf. Eigentlich tummeln sich mehr die orthopädischen Einlagenträger mit Bärenticket hier rum. 
Was mich hierhin verschlägt?

Der Grumpy Guide: Kult, Spott und schlechte Laune


Der über Landesgrenzen hinaus bekannte Grumpy Guide. Beleidigend, unzufrieden, mit scharfer Zunge und übel gelaunt, führt er die unwissende Besucherschar genervt durch den Kunstschatz und -schrott des Kunstpalastes. Grumpy kommt gut an. Stets ausverkauft trotz der verbalen Spitzen und Angriffe, watscheln die für ihn stets naiven Gäste wie Entchen hinterher. Wissen sie doch alle von Beginn an, dass er auf niemanden, absolut niemanden wartet. Während der Tour werden Einzelne regelmäßig observiert, immer Ausschau haltend, ob da ein besonders verschlafenes Exemplar aufgeweckt werden muss. Notfalls muss auch die Kunstglocke geläutet werden, wenn alle braven Entchen vor sich hindämmern.

Sein Name ist Joseph Langelinck. Ein Nachfahre der ehemaligen Direktoren des Kunstpalastes. 
Funfact: Er ist wohl selber eine lebende Kunstperformance und womöglich der Grund für ausverkaufte Touren. Sein Antlitz: Faltenfrei, junges Gesicht, schlanker Körper. Seine Ausstrahlung. Bieder, arrogant, älterwirkend. 

Kunst unter Beschuss

Genervt von so mancher ausgestellten Kunst im Museum, noch genervter von der allgemeinen Unzulänglichkeit der Rheinländer in Kunstfragen. Einige Artefakte bezeichnet er sinngemäß als Sperrmüll, was besser aufgehoben, poliert und preislich fair im Sozialkaufhaus stehen sollte. Manch kunstliebendes Gesicht im Publikum fühlt sich von seinen sarkastischen Kommentaren zu müden, leeren Blicken angesprochen. Dabei war ganz eindeutig die gähnende Steinskulptur gemeint. “Interessant, dass Sie sich angesprochen fühlen!”, stellt er trocken fest.

Das Publikum, inzwischen merklich griemelnd and amüsiert, läuft instinktiv mit Sicherheitsabstand hinterher. Sobald Herr Griesgrämig fertig mit seiner Performance ist, pflaumt er “Aus dem Weg. Wir haben Kunst zu besprechen”.

Er berichtet, dass Kunststudierende das Privileg hätten, bestimmte Werke zu Studienzwecken intensiv zu nutzen. Dann fragt er – rhetorisch, versteht sich – wie oft dieses Privileg in den letzten zehn Jahren in Anspruch genommen wurde. Er schaut uns an, als wären wir Teil der Statistik. Spoiler: Die Zahl ist deprimierend. Für ihn. Für uns. Für die Menschheit.

Ein seltener Moment echter Kunst

Plötzlich wird er leidenschaftlich. Beim Werk von Glacys. Mit Worten erschafft er eine Szenerie zwischen Hoffnung und Schmerz: eine junge Frau kehrt in ihr Elternhaus zurück, in der stillen Hoffnung, jemand habe die Pest überlebt. Für einen kurzen Moment ist es still. Kunst lebt. Atemlos.

Daneben ein Werk, eine Fotografie mit Menschen, die Rasen mähen. Langelinck leidet. Laut. Unleidlich. 

Was bleibt: Ein neuer Blick auf Kunst

Zum Abschied erklärt er uns nüchtern, wir sollen ihn nie wieder behelligen. Das war’s. Er zieht von dannen. Weg von der Unzulänglichkeit der Rheinländer, die an einem Samstagnachmittag freiwillig Kunst anschauen.

Was bleibt? Ab jetzt sehe ich Kunst anders. Ich frage mich, was hätte Langelinck wohl dazu zu sagen? Das wird ab jetzt jedes Kunsterlebnis merklich erheitern. Ob sich die Tour lohnt? Alleine deswegen. Für immer. Ja!

Foto: Jennifer Moog

Benedikt Moog
Benedikt Moog

Benedikt war Praktikant im Rahmen der Jugendredaktion auf der gamescom 2025.

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