Wissen, Würde, Wandel – Junge Verantwortung in einer nachhaltigen Welt

Was Bioethik, Mobilität und Bildung über die Verantwortung junger Menschen in einer globalisierten Welt verraten.

„Wie begründet man universell die Menschenwürde?“ – mit dieser Frage eröffnete Prof. Nicanor P. Austriaco, Theologe und Biologe am Providence College (USA), seinen Vortrag über menschliche Würde und Freiheit. Er forderte dazu auf, Denkweisen nicht nur aus westlicher Perspektive zu sehen, sondern so zu begründen, dass sie in allen Kulturen verständlich bleiben. Besonders eindrücklich war seine rhetorische Frage, warum Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau selbstverständlich gelten solle, wenn der Mann biologisch stärker sei – und wie man diese Überzeugung universell erklären könne. Austriaco wollte damit zeigen: Menschenwürde und Ethik müssen global gedacht werden, nicht kulturell begrenzt.

Bioethik und Nachhaltigkeit – Verantwortung im Zeitalter der Technologie

In seinem zweiten Vortrag, ‘Bioethics and Sustainability’, sprach Austriaco über die ethischen Grenzen moderner Wissenschaft – von Künstlicher Intelligenz über Entscheidungen am Lebensende bis hin zur Frage, wie Wissen Verantwortung erzeugt. Er erzählte Geschichten, in denen Menschen an moralische Grenzen stoßen, und erinnerte daran, dass Nachhaltigkeit nicht nur mit Klima, sondern mit Haltung zu tun hat: mit Respekt vor dem Leben.

Innovation für Nachhaltigkeit – Prof. Jürgen Krahl

Besonders praxisnah wurde es bei Prof. Dr. Jürgen Krahl, Präsident der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe. Er stellte seine Forschung zu alternativen Kraftstoffen vor – darunter das Projekt R33 Blue Diesel, das rund 22 Prozent weniger CO₂-Emissionen verursacht als herkömmlicher Diesel. Krahl betonte, dass die Zukunft nicht allein in der Elektromobilität liege, sondern auch darin, bestehende Fahrzeuge umweltfreundlicher zu betreiben. Sein Ansatz zeigte, dass nachhaltige Innovation oft dort beginnt, wo Wissenschaft und Verantwortung aufeinandertreffen.

Verantwortung lernen – Projektmanagement und Kooperation

In Trainingsphasen leitete Anne-Kathrin Wirtz praxisnahe Übungen zu Projektmanagement und Teamarbeit. Dabei ging es um die Grundprinzipien erfolgreicher Projekte: klare Ziele, realistische Planung und Zusammenarbeit. Wir lernten, Aufgaben zu priorisieren, Fortschritte zu überprüfen und Risiken früh zu erkennen – Fähigkeiten, die nicht nur für akademische Projekte, sondern auch im Alltag entscheidend sind. Besonders hilfreich fand ich die Einführung in das Gantt-Diagramm – eine Methode, bei der Aufgaben und Zeitpläne in einem Balkendiagramm dargestellt werden. So erkennt man auf einen Blick, welche Schritte parallel laufen und wann ein Projekt realistisch abgeschlossen werden kann. Diese Art der Planung hat mir gezeigt, wie wichtig Struktur und Zeitmanagement sind – egal ob bei Schulprojekten oder größeren Vorhaben.

Globale Perspektiven auf Nachhaltigkeit

Für mich war die Woche mehr als nur eine Akademie – sie war eine Gelegenheit, eigene Perspektiven zu hinterfragen. Ich bin in Deutschland aufgewachsen, habe aber Wurzeln in Bolivien, einem Land, das oft mit Ressourcenknappheit kämpft – mit Devisenmangel, Dieselknappheit und sozialer Ungleichheit. Dort bedeutet ‘nachhaltig leben’ oft schlicht: überleben. Und trotzdem – oder gerade deswegen – ist der Gedanke der Menschenwürde dort etwas sehr Konkretes: die Hoffnung, dass jeder Mensch zählt, auch wenn das System nicht perfekt ist. Diese Erfahrung hat mir gezeigt, dass Nachhaltigkeit nicht nur eine technische oder politische, sondern vor allem eine menschliche Frage ist.

Nachhaltige Mobilität als Schlüssel der Zukunft

Nachhaltigkeit war das Leitmotiv der gesamten Akademie – und zeigte sich besonders in den Diskussionen über Mobilität. Das Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) betont, dass Europa „nachhaltige und bezahlbare Mobilität auf leistungsfähigen Infrastrukturen“ braucht, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Dazu gehören Effizienzsteigerungen, digitale Innovationen und die Unabhängigkeit von fossilen Energien. Deutschland gilt als Vorreiter bei der Elektromobilität, setzt aber auch auf europäische Lösungen – etwa durch das Single European Sky (SES)-Programm, das den Luftraum nachhaltiger gestalten soll, und durch die Stärkung des Schienenverkehrs, um bis 2030 doppelt so viele Menschen für die Bahn zu gewinnen.

Verantwortung der jungen Generation

Am Ende blieb die Erkenntnis: Nachhaltigkeit ist kein Zustand, sondern eine Haltung. Eine Haltung, die wir – besonders als junge Generation – lernen, leben und weitergeben müssen. Die Young Leaders Akademie hat mir gezeigt, dass Verantwortung dort beginnt, wo Wissen, Würde und Wandel zusammenfinden.

Fotocredits: Joseph Jäger Bustillos

Joseph Jäger Bustillos
Joseph Jäger Bustillos

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert