“DAS ALLERERSTE WAS ICH GEMACHT HABE WAR EINE CORNFLAKES-Schachtel” – Interview mit 2d gAME ARTIST CLAUDIA SCHRÖDER

Auf der gamescom 2026 wurde ein Interview mit 2D Game Artist Claudia Schröder, auch bekannt als PinkyPills, geführt.

Claudia Schröder, auch bekannt als PinkyPills, ist eine deutsche 2D Game Artist, die vor allem für ihre Arbeit an der Indie-Horrorspielreihe Five Nights at Freddy’s bekannt wurde. In einem Interview auf der gamescom 2026 erzählt sie von ihrer Arbeit.

Das Interview wurde sprachlich angepasst und gekürzt.

Christina Schäfer: Stell dich einmal kurz vor. Wer bist du und was machst du?

Claudia Schröder: Mein normaler Name ist Claudia Schröder, bin aber bekannt als PinkyPills. Ich bin freie 2D-Graphikerin in der Games-Branche. Ich habe von 2009 bis 2011 in einem Spielestudio bei einem unabhängigen Entwickler gearbeitet, bevor ich mich selbstständig gemacht habe. Von 2017 bis 2025 habe ich direkt für Scott Cawthon gearbeitet, also für den Herrn, der Five Nights at Freddy’s gemacht hat.

Christina Schäfer: Und warum bist du auf die diesjährige gamescom gekommen? 

Claudia Schröder: Ich wollte mich wieder mit der deutschen Games-Branche, vor allem mit dem Indie-Bereich connecten, was viele Jahre durch meine Arbeit an einem US-Franchise in den Hintergrund gerückt war.

Christina Schäfer: Du bist nicht nur privat hier, sondern arbeitest für…?

Claudia Schröder: Ich arbeite als Event-Support im Indie Castle, ausgerichtet von Insomnia Devs. Den Founder hatte ich auf dem Gaming Festival CAGGTUS in Leipzig dieses Jahr kennengelernt und ich fand seine Idee vom Indie Castle mega cool. Das Indie Castle bietet einen richtig schönen Querschnitt an Indie-Entwicklern: Horror, Edutainment, Hack-and-Slash, Sammelkartenspiele, alles ist dabei. Es macht dort echt Spaß.

Christina Schäfer: Ich habe es gesehen. Es sah dort echt gut aus. Was ist denn dein bisheriges Highlight oder worauf freust du dich am meisten auf der gamescom?

Claudia Schröder: Darauf, alte Gesichter wiederzusehen, zum Beispiel habe ich gehört, dass mein ehemaliger Boss von Crenetic GmbH Studios, ein Indie-Studio, für das ich vor Five Nights at Freddy’s gearbeitet habe, auch hier ist. Nach 15 Jahren will ich ihn unbedingt wieder treffen.

Christina Schäfer: Sehr schön. Gehen wir nun über zu deinem Beruf. Was hat dich dazu inspiriert, Zeichnerin und spezifischer 2D Game Artist zu werden?

Claudia Schröder: Gezeichnet habe ich schon immer, auch als Kind. Damals wollte ich noch Zeichentrick-Zeichnerin bei Disney werden, aber die Zeichentrick-Branche in Deutschland ist leider nicht groß genug gewesen, dass man davon hätte leben können. Also habe ich irgendwann gedacht: Games, das sind es halt. Der Concept Artist denkt sich alles aus, was gezeichnet wird und entwickelt die Figuren. Das wollte ich machen.

Christina Schäfer: Was sind die Vor- und Nachteile in dieser Branche selbstständig zu sein?

Claudia Schröder: Wie in allen Branchen ist es vom Vorteil, dass man selbst aussuchen kann, was man machen möchte. Am Anfang geht das noch nicht, weil man Kohle braucht, aber ich bin inzwischen zum Glück so weit, dass ich jetzt auch mal Nein zu einem Auftrag sagen kann, auf den ich keine Lust habe. Dann kann man sich auch seinen Zeitplan selbst zusammenbasteln. Es kann jedoch ab und an vorkommen, dass ein Auftraggeber sagt: Mach das in 24 Stunden fertig, und man deswegen auch mal einen Urlaub sausen lassen muss. Als Selbstständiger kann einem das immer passieren.

Christina Schäfer: Wie sieht denn ein regulärer Arbeitstag bei dir aus? 

Claudia Schröder: Das kommt auf die Projekte an, die ich habe, und auf meinem Alltag mit Mann und Sohn. Im Moment sieht es so aus: 6 Uhr aufstehen, Kind zum Kindergarten bringen, dann nach Hause Rechner an und bis zum Mittagessen arbeiten. Nach einer kurzen Pause gehe ich joggen und mache wieder den Rechner an. Wenn jetzt so etwas wie die gamescom ist, mache ich auch viele manuelle Sachen, zum Beispiel arbeite ich im Moment an einem neuen Comic und zeichne dafür halbfleißig Storyboards in meinem Skizzenbuch.

Christina Schäfer: Welchen Ratschlag würdest du diejenigen geben, die ebenfalls in die Branche einsteigen wollen?

Claudia Schröder: Lernt Euer Handwerk auf jeden Fall. Studieren und schulische Ausbildung sind natürlich auch wichtig, aber im Nachhinein würde ich sagen, dass mein Praktikum noch viel wichtiger war. Im Praktikum habe ich geguckt, wie es ist, in so einem Studio zu arbeiten. Ich habe die Arbeitsabläufe kennengelernt und habe gesehen, wie es ist, mit Publishern zusammenzuarbeiten, und wie die Kommunikation läuft.

Christina Schäfer: Welche Fähigkeit ist deiner Meinung nach am wichtigsten im Bezug auf dein Handwerk?

Claudia Schröder: Beim Handwerk der Grafikerin musst du wirklich wissen, wie ein Game entsteht und was ein Grafiker macht oder auch nicht macht. Und auch wie man sich in einem Team einordnet. Mit einem kleinen Team funktioniert es ganz anders als mit einem großen Team.

Christina Schäfer: Gehen wir über zu deiner Arbeit bei Five Nights at Freddy’s. Du hast jetzt knapp acht Jahre für das Franchise gearbeitet. Wie hat es angefangen und was waren deine Highlights dieser Zeit gewesen?

Claudia Schröder: Das Allererste, was ich gemacht habe, war eine Cornflakes-Schachtel. Ich dachte, es wäre eine einmalige Sache, aber dann ging es wirklich, zack, zack, zack weiter. Die neue Gitarre des Charakters Bonnie, die ich designt habe, war eine richtig coole Sache. Der Comic war auf jeden Fall was, das super schwierig war, weil das mein wirklich erster langer Graphic Novel von 200 Seiten war, aber am Ende war ich doch irgendwie stolz drauf. Das Designen der Glamrock Animatronics war ebenfalls einer meiner Highlights.

Christina Schäfer: Was hat dir an diesen besonders gefallen? Und wie sah da die Zusammenarbeit mit Scott Cawthon aus?

Claudia Schröder: Character Design ist einfach mein Steckenpferd, das mache ich am allerliebsten. Scott hatte mir einen Rahmen gegeben, in dem ich arbeiten soll, zum Beispiel, was Form und Farbe angeht, aber ich hatte relativ viel Freiheit. Mit dem Design von Glamrock Freddy war er sofort zufrieden, sozusagen ein One Hit, aber die anderen gingen auch schnell. Tatsächlich war Glamrock Chica am Anfang Gelb und relativ spät haben wir sie dann noch weiß gemacht. Das sah dann auch glamouröser aus.

Christina Schäfer: Stimmt. Was war der einfachste und schwierigste Teil beim Designen der Animatronics?

Claudia Schröder: Schwierig sind manchmal die Details. Bei dem Charakter Vanny zum Beispiel haben wir zwanzig oder dreißig Paar Augen ausprobiert, bis wir die passenden hatten. Messer habe ich auch mehrere gemacht, als Vanny diese im alten Concept Art noch hatte.

Christina Schäfer: Wenn du ein Design ändern könntest, welches wäre das?

Claudia Schröder: Ich habe schon immer gerne schöne und kurvige Frauen gezeichnet und in den Concept Arts war Vanny tatsächlich kurviger, weil ich das schöner fand. Aber im Spiel wurde es dann deutlich abgeschwächt.  

Christina Schäfer: Kürzlich ist die erste Seite vom zweiten Kapitel deines Fancomic-Prequels zu dem Roman und Comic The Silver Eyes erschienen. Das zeigt, dass du immer noch mit dem Franchise involviert bist. Welche Bedeutung hat Five Nights at Freddy’s derzeit für dich und wie hat sich diese im Vergleich zu damals geändert?

Claudia Schröder: Das Franchise ist mir immer noch lieb und teuer, und es hört auch nicht auf zu existieren, nur weil ich jetzt weg bin. Wenn ich Five Nights at Freddy’s auf meinem Feed sehe, schaue ich mir das immer noch gerne an. Und natürlich bin ich immer noch stark in meinem Headcanon zu William Afton und Dave Miller drin, doch später sind so viele neue Storylines und Kanons hinzugekommen, aber ich bleibe bei meinen alten Kanon und feiere das Oldschoolige.

Christina Schäfer: Nun, da zwei neue Spiele und eine Real-Life-Pizzeria in den USA angekündigt worden sind, scheint Five Nights at Freddy’s sich auf einem neuen Höhenflug zu befinden. Wie stehst du als Fan und ehemals Involvierte zu dieser Entwicklung? Was sind deine Gefühle?

Claudia Schröder: Ich finde das natürlich toll, und ich freue mich für Scott und alle, die da jetzt arbeiten. Natürlich bin ich ein wenig melancholisch wegen der alten Zeiten, als Five Nights at Freddy’s noch Indie war. Es ist größer und Mainstream geworden, was auch einer der Gründe ist, warum ich gegangen bin. Ich will halt lieber im Indie-Bereich bleiben.

Christina Schäfer: Wie sieht deine Zukunft aus? Was sind deine derzeitigen Wünsche, Hoffnungen und Träume?

Claudia Schröder: Ich weiß nicht, ob ich nochmal irgendwo in Festanstellung gehe, damit habe ich es im Moment nicht so eilig. Vielleicht mache ich bald Art Direction. Woran ich tatsächlich gerade jeden Tag arbeite, ist ein Graphic Novel für ein neues Fandom, ein Public-Open-Source-Fandom, aber ich will noch nicht viel verraten. Aber ich werde wieder alles selber über Amazon publishen, das hat bei meinem Buch Designing and Drawing Animatronics auch sehr gut geklappt.

Christina Schäfer: Spannend, dann sehen wir ja bald wieder was von dir. Wie können Menschen in Kontakt mit dir treten?

Claudia Schröder: Am besten über meine Webseite, da lässt sich auch alles zu mir finden: www.pinkypills.com. Da steht auch meine E-Mail-Adresse, ansonsten bin ich auch auf Instagram und Twitter zu erreichen.

Foto: Christina Schäfer

Christina Schäfer
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