Vom Stammgast zum Saunameister
Alltag Saunameister

Uli sorgt im Saunapark Kamperbrück für besondere Saunaerlebnisse. Wie er als Rentner zu seinem Job kam...

Ein dumpfer Schlag hallt, als Ulrich das Handtuch über dem Kopf kreisen lässt. Heiße Luft trifft die Gäste wie eine Welle, der Duft von Eukalyptus und Blutorange füllt die 85-Grad-Sauna. Schweißperlen glänzen auf der Haut. „Ich bin’s wieder, der Ulrich. Willkommen zum 19-Uhr-Aufguss“, ruft er. 

Ulrich Burda, meist Uli genannt, ist 67 und eigentlich Rentner. Doch statt in den Ruhestand zu gehen, arbeitet der ehemalige Lagerleiter seit etwa zweieinhalb Jahren als Saunameister im Saunapark Kamperbrück in Kamp Linfort, bei dem er selbst seit über vier Jahrzehnten Gast ist.

Mit halber Lunge, voller Einsatz

Dabei waren die ersten Wochen als Saunameister nicht einfach. Uli leidet an der Lungenkrankheit COPD. Seine Lunge arbeitet nur noch zu 40 bis 50 Prozent. Doch aufgeben kam für ihn nie infrage. Heute steht er regelmäßig im Dampf, auch privat. Ob in der Sauna seines Fitnessstudios oder im Urlaub mit seiner Frau: Mehrmals pro Woche sucht er die Wärme.

Stunde für Stunde, Aufguss für Aufguss arbeitet er in der Sauna. Sogar bei fast 40 Grad Außentemperatur. „Im Sommer ist’s manchmal grenzwertig“, gibt er zu. „Aber selbst dann ist die Sauna voll.“ Ein Stammgast sagt, dass er am liebsten jeden Tag in die Sauna gehen würde, erst recht im Hochsommer. „Es ist so schön aus dem Alltag zu flüchten, besonders wenn man einen stressigen Job hat“, sagt der Busfahrer.

Die Aufgüsse des Saunameisters sind bekannt für die heiße Temperaturen. Knapp 100 Grad zeigt das Thermometer, als er den Matamba-Afrika Aufguss aus der Regenkelle auf die heißen Steine gießt. Der Duft von Blutorange, Wintergrün und Pfefferminz verteilt sich in der Sauna. „Angenehmes Schwitzen!“, ruft er und beginnt erneut den Fächer zu schwenken.

„Kokos-Vanille ist nichts für mich. Zu süß. Aber Geschmäcker sind verschieden“

Saunameister Uli bevorzugt natürliche Düfte wie japanisches Heilpflanzenöl oder Orange.

Bis zum letzten Aufguss

Vor jedem Aufguss wird gelüftet, leise Musik läuft, das Kaminfeuer knistert. Dann geht es los: Uli stellt sowohl sich als auch den Aufguss vor und innerhalb von drei Aufgussrunden steigt die Temperatur von 80 auf 100 Grad. Uli kreist das Handtuch über seinem Kopf und schwenkt das Saunapad. Schweißperlen bilden sich auf seiner Brust und laufen an seinem Körper herunter. Nach sechs Minuten fliehen die ersten Gäste aus den oberen Reihen. „Zwei Runden schaffe ich, aber keine drei“, ruft eine lachend.

Umso wichtiger ist deswegen das Abkühlen nach dem Saunagang: Frischluft, dann Abkühlung von herzfern zu herznah. „Viele machen das falsch, kippen sich eiskaltes Wasser über, besonders die Älteren. Da kann’s schnell gefährlich werden“, erklärt Uli.

Gemeinsam schwitzen, gemeinsam lachen

Ein Stammgast erzählt, dass er sich jeden Dienstag und Donnerstag den ganzen Tag auf die Sauna freuen würde. Viele seiner jetzigen Freunde habe er in der Sauna kennengelernt, mit ein paar waren er und seine Frau dieses Jahr im Urlaub. „Komisch die dann angezogen zu sehen, du kennst sie ja nur nackt“, sagt seine Frau.

Um 22 Uhr ist der letzte und heißeste Aufguss des Tages: Mentholkristalle mit Eiswürfel in der ersten Runde, danach folgt Orange. Als Ulrich beginnt sein Handtuch zu schwingen, erklingt ein Stöhnen aus den oberen Reihen. „Wer jetzt noch verstopfte Atemwege hat, dem kann ich auch nicht mehr helfen“, sagt Uli.

Kurz vor 23 Uhr endet sein Arbeitstag. Nach dem letzten Rundgang duscht Uli gemeinsam mit den übrigen Gästen. Scham? Fehlanzeige. „Hier stört’s keinen, dass man nackt ist und erst recht nicht, wie man aussieht. Wir sind alle gleich, nackt, entspannt und zufrieden.“

Fotos: Gina Jerosch

Gina Jerosch
Gina Jerosch

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