Die heisseste Weltmeisterin

Vom eigenen Peeling zum Weltmeistertitel: Imke Timmerman erzählt, wie es dazu kam.

Dampf steigt auf, der Geruch von Blutorange mischt sich mit dem vom Menthol. Das Thermometer zeigt 100 Grad. Imke Timmermans gießt mit einer Kelle Wasser über die heißen Steine. Was hier nach Routine aussieht, machte sie zur Peeling-Weltmeisterin.

Seit 30 Jahren steht die Niederländerin im Dampf und schwingt das Handtuch. 1995 begann sie bei Bahia in Bocholt, einer der bekanntesten Saunaanlagen in Deutschland. Ursprünglich als Sportmasseurin, ohne zu ahnen, dass sie eines Tages Peeling-Weltmeisterin werden würde. „Die einzige Sauna, die ich kannte, war die aus meinem Fitnessstudio“, sagt die inzwischen 57-Jährige Saunameisterin. „An meinem ersten Tag hier wurde mir direkt gezeigt, wie ein Aufguss funktioniert und ich war sofort begeistert.“ Ihre Faszination blieb – und wurde nur noch stärker.

Ihre Markenzeichen: Handwerk, Herz und ein geflochtener Zopf

In Amsterdam studierte Imke Sport, absolvierte die Ausbildung zur Sportmasseurin und leitete Aerobic-Kurse, bevor sie im Bahia ihre neue Berufung fand. Heute massiert sie, führt Hamam-Zeremonien durch und macht Aufgüsse, Peelings sowie Traumreisen.  Ihr Beruf vereint alles, was sie liebt: Kreativität, Bewegung, Gesundheit und Entspannung.

Auch nach drei Jahrzehnten schwitzt sie noch gern privat, probiert andere Anlagen aus und lässt sich inspirieren. „Wer nur in seinem Umfeld bleibt, bildet sich nicht weiter“, sagt sie. Manchmal wird sie dort sogar von Gästen erkannt, nicht nur wegen ihres geflochtenen Zopfes. „Bekleidet, mit trockenen Haaren und Brille erkenne ich viele gar nicht wieder.“

„Wer nur in seinem Umfeld bleibt, bildet sich nicht weiter“

Imke Timmermans, Peelingweltmeisterin

Der Weg zur Weltmeisterin

2023 richtete das Bahia erstmals den Sauna Herbal Cup aus. Der Wettbewerb findet einmal jährlich statt und der Sieger qualifiziert sich für die Weltmeisterschaft in Prag. Drei Disziplinen müssen die Teilnehmenden meistern: eine zweiminütige Präsentation vor der Jury, ein Peeling im Dampfbad und ein 15-minütiger Aufguss – oft mit Musik, Licht und ganz eigener Inszenierung.

Imke gewann 2023 und qualifizierte sich das erste Mal für die WM in Prag. 2024 qualifizierte sie sich dann erneut und galt für viele als Favoritin. Und tatsächlich: Ihr Kiefernwaldpeeling machte sie zur Peeling-Weltmeisterin. 

Die Jury war begeistert von ihrem Thema und der Umsetzung. „Beim Hymn to the Pinaceae-Aufguss habe ich mit verschiedenen Kiefergewächsen eine Reise um die Welt gemacht“, sagt Imke. Sie wedelte mit Zweigen der Himalaya Zeder oder der Sibirische Fichte und räucherte mit Harzen. Echte Zirbelkiefer im Sieb über den Ofen sorgte per Wasserdampf für einen harzigen Duft in der Sauna.

Für ihr Peeling machte Imke ein Hydrolat aus Weißtanne für das Gesicht und stellte Seife aus Zirbelkiefer her. Auch hier fächert sie mit Zweigen aus Eiche und Kiefern. „Das Körperpeeling habe ich aus dem feingehobelten Holz meines Weihnachtsbaums gemacht“, sagt Imke. Sie mischte das Holz der Edeltanne mit Arganöl und holte sich den Titel.

„Man beginnt meist schon direkt nach der letzten WM mit der Planung fürs nächste Jahr“, sagt Imke. Für viele sei der Druck enorm. „Bei Imke ist immer alles sehr durchdacht und muss perfekt sein“, sagt ihr Kollege Bastian Möllenbeck. Imke sagt, sie habe durchgehend ihre Texte für ihren WM-Aufguss gelernt, sei es im Auto oder vor dem Einschlafen. 

2025 setzt sie aus, plant aber schon für 2026. Voraussichtlich wird das Thema „In die Wüste“ sein – mit orientalischer Musik, Düften, Arganöl und Heilerde.

Ein Raum voller Hitze und Herzlichkeit

Dass Aufgussmeisterinnen wie Imke weltweit gegeneinander antreten, zeigt, wie sehr sich Sauna zu einer Kunstform entwickelt hat. Was Imke von vielen unterscheidet, ist ihre Haltung. Für sie steht immer der Gast im Mittelpunkt. „Wir sind Dienstleister, wir machen das, was die Gäste sich wünschen, nicht unbedingt das, was wir selbst wollen“, sagt sie.  „Wer entspannte Gäste will, muss selbst Entspannung ausstrahlen.“

Vielleicht war es genau das, was die Jury in Prag spürte. Damals hieß es in der Begründung, Imke sei die perfekte Gastgeberin. Man fühle sich wohl, wenn sie den Aufguss macht. Für Imke ist das die schönste Rückmeldung. „Im Grunde wurde da mein Alltag bewertet, also das, was ich jeden Tag mit Herz mache.“ Auch Basti findet, Imke habe den Sieg verdient. „Sie ist mit völliger Hingabe dabei und kommt dabei sehr authentisch rüber“, sagt er.

Basti selbst arbeitet seit 22 Jahren als Saunameister, hat aber neben Arbeit und Familie keine Zeit für WM-Vorbereitungen. Für den 40-Jährigen ist die Sauna ohnehin mehr als Wettbewerb. „Ich bin damit aufgewachsen“, sagt er. „Mein Vater hat mich mit fünf das erste Mal mitgenommen.“ Heute hat er sogar eine eigene Sauna zuhause, die er gerne mit seinem Sohn nutzt. „Bevor du zum Therapeuten gehst, verbring einfach mal einen Tag in der Sauna und schau, was das mit dir macht.“

Fotos: Gina Jerosch

Gina Jerosch
Gina Jerosch

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